Österreich ist "klöster-reich"!

Was wären wir ohne unsere Klöster!

Für die Menschen in Österreich ist es selbstverständlich, dass das Land übersät ist mit uralten Stiften! Unsere Klöster gehören zur Landschaft, zur Kultur, sie sind einfach da! Das hat Vorteile und Nachteile!

Die Vorteile liegen darin, dass die Klöster eigentlich überall geschätzt werden, von Gläubigen und von Fernstehenden: als Kulturträger, als Ort von Tradition und Geschichte. Was wäre unser Österreich auch, wenn es nicht „Klösterreich“ wäre!?

Die Selbstverständlichkeit unserer Klöster hat aber auch Nachteile! Einer ist zum Beispiel, dass die Menschen sich oft gar nicht für unsere Spiritualität interessieren. Sie sehen im Stift nur den Arbeitgeber, den Grundbesitzer, den Kulturproduzenten!

Der Kern eines Klosters ist die Nähe zu Gott

Den Kern des Klosterlebens kennen sie nicht: Unser Chorgebet, unsere uralten Traditionen, unsere gelebte Spiritualität! Wir haben das Gefühl, dass die Leute sich oft mehr für die exotischen Körperhaltungen von buddhistischen Mönchen interessieren, als für die jahrhundertealte Gebets- und Meditationspraxis in dem christlichen Stift „gleich nebenan“.

Naja, wir wollen nicht jammern. Denn als Mönche wollen wir ja eigentlich verborgen leben. Für Gott! Aber vielleicht schadet es auch nicht, ein bisschen Einblick zu geben in unser Leben, in unseren Tagesablauf, in unser Gebet, in unsere Aufgaben. Vielleicht weckt es auch ein bisschen Interesse. – Denn es würde uns doch freuen, wenn die Bevölkerung wahrnehmen würde, dass es etwas Besonderes ist, ein so uraltes und so lebendiges Kloster „am Ort“ zu haben! Schließlich beten wir ja von früh bis spät für die Menschen in unserem Land…

Gemeinschaft ist ein Gottesgeschenk!

Psalm 133:

Ecce quam bonum et quam iucundum
habitare fratres in unum!
Sicut unguentum optimum in capite,
quod descendit in barbam, barbam Aaron,
quod descendit in oram vestimenti eius.
Sicut ros Hermon,
qui descendit in montem Sion.
Quoniam illic mandavit Dominus benedictionem
vitam usque in saeculum!

Seht doch, wie gut und froh es ist,
wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.
Das ist wie köstliches Salböl,
das vom Kopf hinabfließt auf den Bart, auf Aarons Bart,
das auf die Ärmel seines Gewandes hinabfließt.
Das ist wie der Tau des Hermon,
der auf den Berg Zion niederfällt.
Denn dort spendet der Herr Segen
und Leben in Ewigkeit.

Wie wir Heiligenkreuzer Mönche uns selbst verstehen

Unsere Klöster leben!

In Heiligenkreuz sind wir über 80 Mönche. Das ist ein Höchststand seit der Türkenbelagerung 1683! Viele Menschen halten ein Kloster heute für ein Kuriosum. Wie oft wird uns von erstaunten Besuchern die Frage gestellt: „Wie viele Mönche gibt es hier denn noch?“ – als wären wir Dinosaurier, die „zufällig“ noch nicht ausgestorben sind!

Verhindern lässt es sich ohnehin nicht, dass jeder sich zu einem Stift seine eigene Meinung macht: für die einen sind wir eben ein mittelalterliches Kuriosum, für die anderen ein altes Wirtschaftsunternehmen, für die flüchtigen Touristen wohl meist nur ein musealer Programmpunkt auf dem Weg über Mayerling nach Gumpoldskirchen… Die nachfolgende kurze Selbstvorstellung möchte zeigen: Heiligenkreuz ist mehr!

Unser Stift Heiligenkreuz ist einerseits ein überaus lebendiges strenges Mönchskloster im Wienerwald, andererseits ein richtiges österreichisches Stift mit dem üblichen kulturellen Ambiente und vielen pastoralen Aufgaben. Heiligenkreuz betreut 21 Pfarren, wir Patres üben die Seelsorge in allen Formen aus. Ein Schwerpunkt ist auch die Ordenshochschule mit ihren über 200 Studenten, von denen sich drei Viertel auf das Priestertum vorbereiten.

Leben im Rhythmus von Gebet und Arbeit

Ein geheiligter Tagesrhythmus von Gebet und Arbeit

Das Chorgebet ist das Meditieren über die Bibel, das Innewerden des Wortes, das Gott zu uns gesprochen hat, das wir Mönche aufnehmen und Ihm zurücksingen. Es ist aber nur eine Form des Gebetes: öffentlicher Lobpreis Gottes in den Psalmen und Hymnen, die die Kirche seit Jahrhunderten dem dreifaltigen Gott singt. Wir Mönche beten aber auch täglich privat und halten geistliche Lesung. Auf diese Weise ist unser Tag mit geistlichem Leben ausgefüllt, so beginnt die Stille zu leben und wird zu einem Dialog des Herzens mit Gott.

Wir stehen vor 5 Uhr auf, denn wir kommen um 5.15 Uhr zum ersten Chorgebet, zu den Vigilien und den Laudes, in der Kirche zusammen. Anschließend, um ca. 6.20 Uhr, folgt die gemeinsam gefeierte Heilige Messe, das klösterliche Konventamt. Danach ist die Zeit frei für das Frühstück oder Sonstiges. Von 8 bis 12 Uhr gehen wir unserer Arbeit nach. Die Studenten besuchen in dieser Zeit ihre Vorlesungen an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz. Um 12 Uhr beten wir die Terz und Sext in der Kirche, danach wird im Speisesaal das Mittagessen gemeinsam eingenommen. Anschließend gehen wir in einer Prozession, den Psalm 50 rezitierend, zurück in die Kirche, um das Totengedenken zu halten und die Non zu beten.

Eine gesunde Lebensordnung

Uns Mönchen wird es nie langweilig

Danach gibt es Freizeit bzw. eine kleine Siesta, an Feiertagen ein Zusammensein mit Kaffee. Von 14 bis 18 Uhr gehen wir dann wieder unserer Arbeit nach. Um 18 Uhr feiern wir die Vesper, das abendliche Lobgebet der Kirche. Danach geht es wieder in das Refektorium zum gemeinsamen Abendessen. Sodann ist wieder Freizeit; es besteht jedoch die Möglichkeit zur gemeinsamen Rekreation.

Schließlich treffen wir uns um 19.50 Uhr im Kreuzgang, um einen Abschnitt aus der Regel des heiligen Benedikt, unserer Ordensregel, zu hören und anschließend die Komplet zu singen. Danach kann man sich schon schlafen legen.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, den Rosenkranz vor dem ausgesetzten Allerheiligsten Altarsakrament in der kleinen Krankenkapelle gemeinsam zu beten. Nach der Komplet gilt das nächtliche Schweigen, das die Benediktsregel sehr betont.

Anzumerken ist, dass wir hier in Heiligenkreuz das Chorgebet und die heilige Messe in lateinischer Sprache feiern. Dies entspricht dem Zweiten Vatikanischen Konzil, welches wünscht, dass das Latein erhalten bleiben soll, auch wenn die Landessprache zusätzlich erlaubt wird.

Jung und alt - ein Segen!

Wir sind ein junger Konvent mit einigen „Oldies“

In unserem Kloster sind jung und alt beeinander. Tatsächlich sind wir ein junger Konvent. Sosehr, dass manchmal die Touristen die jungen Mönche sogar fragen, ob sie nicht bezahlte Statisten sind…

Also es gibt auch alte Mönche! Als Mönch wird man ja berufen, um usque ad mortem – bis zum Tod – Gott anzugehören. Das Altwerden gehört also dazu! Für unsere älteren Mitbrüder gibt es im Kloster noch viele Aufgaben! Ihre Lebensweisheit ist unverzichtbar! Ihr Gebet und auch ihr Leiden sind Ströme der Gnade! Für unsere kranken Mitbrüder gibt es eine eigene Krankenstation mit Pflegepersonal.

Soweit es möglich ist, übernehmen auch die jüngeren Mitbrüder die Pflege von Kranken. Pater Pio ist als „Infirmar“ für die Kranken und Alten verantwortlich. Der hl. Benedikt will, dass man im Kloster „die Älteren ehren, die Jüngeren lieben soll“ (RB 4,70-71). Wenn die Gemeinschaft zwischen jung und alt gelingt, geht großer Segen davon aus.

Unsere Liturgie und Spiritualität

Wir lieben den gregorianischen Choral!

Weiters verwenden wir zum Chorgebet und zur Eucharistiefeier den Gregorianischen Choral; täglich werden die heilige Messe, die Vesper und die Komplet feierlich gesungen. Je nach dem liturgischen Rang eines Festes werden auch andere Teile des Offiziums gesungen, ansonsten nur rezitiert, das heißt auf einem gleich bleibenden Ton gebetet.

Die vorgesehene Geistliche Lesung wird von jedem Mönch zu einer von ihm selbst gewählten Zeit gehalten. Alle Elemente des klösterlichen Alltags, sei es das private oder gemeinsame Gebet, die vielfältige Arbeit, die Geistliche Lesung, das Gemeinschaftsleben oder die Erholung hängen miteinander zusammen. Sie ergeben eine Lebensform, die uns Mönchen helfen soll, den Egoismus zu überwinden und frei zu werden für die Liebe zu Gott und zum Nächsten.

Das Chorgebet und die heilige Messe von uns Mönchen sind immer öffentlich; die Mönche freuen sich über jeden Besucher. jeden Sonn- und Feiertag ist das Konventamt um 9.30 Uhr mit Gregorianischem Choral. In der kalten Jahreszeit (ca. November bis April) findet das Chorgebet in der Bernardikapelle statt, die allerdings im Inneren des Klosterbereiches liegt. Um – sicher – eingelassen zu werden, genügt eine Anmeldung bei der Klosterpforte.

Wir übernehmen viele Aufgaben und Dienste für die Kirche

Wir scheuen nicht den Dienst an den Menschen

Die Benediktsregel verpflichtet uns auch zum „labora“. Für den Mönchspriester gibt es ein breites Spektrum von Aufgaben: Leitungsfunktionen im klösterlichen Bereich, Einsatz als Pfarrer oder Kaplan auf einer der inkorporierten Pfarren, Aufsicht über bestimmte Wirtschaftsbereiche, Engagement in der überpfarrlichen Jugendseelsorge, Religionsunterricht an einer der zahlreichen umliegenden Höheren Schulen, Abhaltung von Exerzitien und Bildungstagen, Aufgaben an der Philosophisch-Theologischen Hochschule, wissenschaftliche Forschungstätigkeit im theologischen Bereich usw.

Aber nicht nur für Priestermönche gibt es in Heiligenkreuz lebenserfüllende Aufgaben, sondern auch für Chormönche – das sind Mönche ohne Priesterweihe – sind zahlreiche Möglichkeiten vorhanden, wenn auch die Zahl der Chormönche in den letzten Jahren gering geblieben ist: Auch für solche Männer gibt es im klösterlichen Rhythmus des „Ora et labora“ genug zu tun. Gott möge es schenken, dass viele Burschen und Männer auf dem beschriebenen Weg in den Dienst Gottes gerufen werden.

Für die jungen Mönche bedeutet Arbeit vor allem das Theologiestudium. Aber auch körperliche Ertüchtigung wird hoch geschätzt: Gartenarbeit oder Sport sind wichtig für eine gute Gesamtbefindlichkeit. Der Wienerwald lädt zum Joggen, Radfahren oder Wandern ein. Im Kloster gibt es einen gut ausgestatteten Fitnessraum, damit sich die (jungen) Mönche austoben können.