Wie wird man Zisterzienser?

Das Mindestalter für den Eintritt beträgt 18 Jahre. Der Kandidat, der um Aufnahme bittet, sollte die Matura oder eine fachliche Ausbildung abgeschlossen haben. Lateinkenntnisse sind wünschenswert, doch kann das Latein auch in der Zeit der Kandidatur, im Noviziat und dann im Studium nachgelernt werden. Das Kapitel, also die Versammlung der Mitbrüder mit Feierlicher Profess, stimmt darüber ab, ob ein Bewerber in das Noviziat aufgenommen wird oder nicht. 

Mit der Einkleidung beginnt das Noviziat. Der Abt legt den Termin für die Einkleidung fest, üblicherweise findet sie um den 15. August, dem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, statt. Im Kapitelsaal wird der Kandidat in einer eindrucksvollen Feier unter Beisein des Konventes und der Verwandten vom Abt mit dem weißen Habit des Novizen bekleidet. Er erhält vom Abt auch einen neuen Namen: Ein neues Leben für Gott beginnt. Sollte der Novize aber in diesem Jahr erkennen, dass dies nicht sein Weg ist, so ist er jederzeit frei wegzugehen.

2006 und 2007 musst die Einkleidung der 7 bzw. 6 neuen Novizen in der Abteikirche gefeiert werden, weil der Kapitelsaal, wo sie eigentlich stattfinden sollte, zu klein gewesen wäre für die Eltern, Freunde und Verwandten, die mitfeiern wollten. Die Kandidaten wurden vom Novizenmeister P. Prior Christian vor den Abt geführt und warfen sich zu Boden. Der Abt fragte: "Was begehrt ihr?" Am Boden liegend antworteten sie: "Die Barmherzigkeit Gottes und des Ordens." "Steht auf im Namen des Herrn!" In einer Ansprache legt der Herr Abt dann die Benediktsregel aus. Er schließt mit den Worten: "Was Gott in Euch begonnen hat, das möge er auch vollenden!"

Nach der Segnung der Gewänder treten die Kandidaten einzeln vor den Abt, der ihnen die Jacke auszieht und sie mit dem Ordensgewand bekleidet. Danach knien die neueingekleideten Novizen nieder und der Herr Abt segnet sie. In diesem Segensgebet werden die Ordensnamen, die die neuen Mitbrüder von nun an tragen werden, zum ersten Mal genannt. Das ist ein sehr spannender Augenblick, denn niemand weiß ja vorher, welchen Namen ihm der Herr Abt geben wird... Anschließend ziehen wir in den Kreuzgang, wo wir den neuen Novizen herzlich gratulieren. (Foto: Einkleidung 14. August 2007)

Schon die Einkleidung als Novize ist ein großer Schritt. Der Ordenseintritt stellt eine Zäsur im Leben da und einen neuen Anfang. Dieser Einschnitt wird auch dadurch ausgedrückt, dass der Novize mit dem Ordensgewand einen neuen Namen erhält, also gleichsam eine neue Identität. Paulus schreibt: "Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist." (Phil 3,13) Mit dem neuen Namen steht ihm auch ein neuer Namenspatron bei. Im Kloster werden ja nicht die Geburtstage gefeiert, sondern die Namenstage, also die Feiertage der Schutzpatrone der einzelnen Mitbrüder.

Das Noviziat dauert ein Jahr, die Novizen üben sich in dieser Zeit in das klösterliche Leben ein. Der Novizenmeister betreut die Novizen und gibt ihnen auch Unterricht über die Psalmen, über die Geschichte des Ordens und des Klosters, über die Askese, über die Benediktsregel usw. So werden die Novizen in das klösterliche Leben eingeführt. Sie lernen, sich von alten Bindungen zu lösen und beginnen behutsam auf dem Weg der Christusnachfolge voranzuschreiten. In der Zeit des Noviziates findet kein Hochschulstudium statt, damit der Novize wirklich frei ist für die Einübung in das klösterliche Leben.

Am Ende des Noviziates stimmt das Kapitel über die Zulassung des Novizen zur Ablegung der Gelübde auf drei Jahre ab. Wird der Novize angenommen, so legt er die Zeitlichen Gelübde des Gehorsams, des Klösterlichen Lebenswandels und der Beständigkeit im Kloster ab. Diese Feier, auch Zeitliche Profess genannt, findet meist am Jahrestag der Einkleidung im Kapitelsaal statt. Die Novizen werfen sich vor dem Abt auf den Boden nieder. Der Abt fragt sie: "Was begehrt ihr?" Sie antworten: "Die Barmherzigkeit Gottes und des Ordens." Der Abt: "Steht auf im Namen des Herrn!" Dann werden die Novizen mit dem schwarzen Skapulier (Schürze) und dem schwarzen Zingulum (Gürtel) bekleidet. Jetzt tragen sie die richtige Ordenstracht der Zisterzienser.

Die Zeitliche Profess wird auf drei Jahre abgelegt, kann jedoch verlängert werden. Auch in dieser Zeit kann der angehende Mönch, der jetzt "Junior" genannt wird, zu der Entscheidung kommen, dass dies nicht der richtige Weg für ihn ist, und um Lösung der Zeitlichen Gelübde bitten. In dieser Zeit erhalten die Juniores ihre theologische Ausbildung im Studium der Theologie oder ihre berufliche Ausbildung, wenn sie Chormönche ohne Ziel der Priesterweihe sein wollen. Sie bekommen auch schon Dienste im Haus übertragen. Am Ende des ersten Jahres werden sie mit dem Lektorat beauftragt, am Ende des zweiten Jahres mit dem Akolythat.

Hat ein angehender Mönch nach den vier Jahren - ein Jahr Noviziat und drei Jahre Zeitliche Profess - Erfahrungen im klösterlichen Leben und Sicherheit über seine Berufung gewonnen, so darf er um die Ablegung der Ewigen Gelübde, der Feierlichen Profess, ansuchen. Wieder wird über ihn abgestimmt.

Die Feierliche Profess wird innerhalb eines besonders festlichen Gottesdienstes abgelegt, da sie einer hochzeitlichen Verbindung mit Gott dem Herrn gleichkommt: Der Mönch gelobt vor Gott und seinen Heiligen den Gehorsam, den klösterlichen Lebenswandel und die Beständigkeit bis zum Tode. Im Besonderen verspricht er dem Abt und seinen rechtmäßigen Nachfolgern den Gehorsam, indem er seine gefalteten Hände in die Hände des Abtes legt. Er verliest feierlich seine Professurkunde und legt sie auf dem Altar der Abteikirche nieder, um so seine Lebenshingabe mit dem eucharistischen Opfer des Herrn zu verbinden. Dann bittet er die Mitbrüder um ihr Gebet, indem er vor jedem einzelnen niederkniet. Mit der Feierlichen Profess ist der Mönch ein Vollmitglied des Konventes mit allen Pflichten und Rechten. Er gehört dem Kloster an und wird in den Aufgabenbereichen des Klosters bis zu seinem Tode Gott dienen.

Der Mönch trägt nun auch offiziell den Namen "Pater". Er schreibt hinter seinen Namen die Abkürzung für den Zisterzienserorden: "OCist", das steht für das lateinische: "Ordinis Cisterciensis".

Mit der Feierlichen Profess ist der formelle Werdegang zum Mönch abgeschlossen. Etwas anderes ist der Werdegang zum Priestertum für jene, die das Priestertum anstreben. Die Weihe zum Diakon und dann zum Priester kann man erst nach Ablegung der Feierlichen Profess empfangen. Der Abt entscheidet, wann die Diakonenweihe erfolgt. Es ist sinnvoll, dass dann das Studium bereits abgeschlossen ist. Üblicherweise wird der Diakon bereits zur Sammlung von Erfahrungen in der Seelsorge tätig sein, bevor er schließlich die Priesterweihe empfängt.

Für den Mönchspriester gibt es ein breites Spektrum von Aufgaben: Leitungsfunktionen im klösterlichen Bereich, Einsatz als Pfarrer oder Kaplan auf den inkorporierten Pfarren, Leitung bestimmter Wirtschaftsbereiche, Engagement in der überpfarrlichen Jugendseelsorge, Religionsunterricht an einer der umliegenden Höheren Schulen, Abhaltung von Exerzitien und Bildungstagen, Unterricht an der Philosophisch-Theologischen Hochschule, wissenschaftliche Forschungstätigkeit im theologischen Bereich usw.

Aber nicht nur für Mönche mit Priesterweihe gibt es in Heiligenkreuz lebenserfüllende Aufgaben. Es gibt auch die Möglichkeit, Chormönch zu werden, also Mönch ohne Priesterweihe. Leider ist die Zahl der Chormönche in den letzten Jahrzehnten gering geblieben. Leider deshalb, weil es gerade für solche Berufungen zahlreiche verantwortungsvolle und qualifizierte Tätigkeiten gäbe und Chormönche durch ihre Bezogenheit auf das Innere des klösterlichen Lebens geradezu Säulen der Klostergemeinschaft werden können.

Ob Priester oder Chormönch: Gott möge es schenken, dass viele Burschen und Männer auf dem beschriebenen Weg in den Dienst Gottes gerufen werden! Und die Gottesmutter Maria segne alle Berufenen, damit die Ganzhingabe gelinge!

Unser Ordensgewand

Jeder Orden hat seine eigene Kleidung. Die Zisterzienser fallen auf, weil sie schwarz-weiß gekleidet sind. Ursprünglich war unser Gewand aus ungebleichtem Stoff, also "grau". Daher wurden die ersten Zisterzienser auch die "grauen Mönche" genannt. Angeblich hat die Gottesmutter Maria dem hl. Alberich, dem 2. Abt von Citeaux, das schwarz-weiße Ordensgewand übergeben. Das muss wirklich so gewesen sein, weil unser Gewand so himmlisch ist. Es ist ein geweihtes Zeichen unserer Hingabe an Christus, wir tragen es auch in der Öffentlichkeit als Zeugnis für Christus.
 
Furchtbar und falsch ist der Ausdruck "Kutte". Richtig und würdig ist der Ausdruck "Ordensgewand". Unser Ordensgewand besteht aus drei Teilen: aus einem weißen, bodenlangen "Habit", das heißt lateinisch eigentlich: "Prägung", "Kennzeichen". Das lange Gewand ist eigentlich eine Art "Taufkleid", durch das der Mönch zum Ausdruck bringt, dass er radikal Christus gehören will. Über dem Habit ist ein schwarzes "Skapulier", das heißt eigentlich "Schürze". Da es längsgestreift ist macht es ein bisschen schlank... Und zusammengehalten wird das alles von einem schwarzen "Zingulum", das heißt lateinisch einfach "Gürtel". Das ist unser Alltagsgewand.

Zum Chorgebet ziehen wir uns etwas darüber, wir sind dann ganz in weiß. Das ist nun wirklich eine "himmlische Farbe", wie man in der Apokalypse nachlesen kann (Offb 7,14). Die fertigen Mönche mit Feierlicher Profess tragen eine weiße "Kukulle", das ist ein weißes Übergewand mit sehr weiten Ärmeln und Kapuze. Die weiten Ärmel symbolisieren die weite Liebe, in die man eingehüllt ist. Die Novizen und Zeitlichen Professen tragen einen weißen Umhang, der "Pallium" genannt wird.

Es gibt im Mönchsleben drei Stadien:

1. Novize, im 1. Jahr;
2. Mönch mit Zeitlicher Profess, also mit Gelübden auf 3 Jahre;
3. Mönch mit Feierlicher Profess, also mit ewigen Gelübden.

Man kann die drei Stadien anhand der Kleidung gut unterscheiden. Auf den Fotos sieht man von links nach rechts einen Novizen, einen Zeitlichen Professen und einen fertigen Mönch. Auf dem linken Foto sind die drei im Alltagsgewand, auf dem rechten in der feierlichen weißen Gebetskleidung.

Jung und alt...

Im Kloster leben jung und alt zusammen. Der hl. Benedikt schreibt sehr weise in seiner Regel, dass die "Jungen die Alten ehren sollen, die Alten sollen die Jungen lieben". Für unsere Alten gibt es eine eigene Krankenstation und auch fachkundiges Pflegepersonal. Ein Mitbruder ist als "Infirmar" für alle Kranken und Alten zuständig.

Wunderbar ist das Zeugnis der alten Mitbrüder, da sie durch Gebet und Leiden noch ganz das Kloster geistlich mittragen. Das Altsein wird so nicht nur zu einer Zeit der Sammlung und der Vorbereitung auf den letzten großen Schritt des Lebens, sondern zu einer Kraftquelle für die jungen Mitbrüder.

Am Ziel

Hingabe gelingt nur, wenn sie ganz ist, wenn sie sich nicht einschränkt, wenn sie "usque ad mortem" reicht: bis zum Tod.

Früher, wenn sich ein ein Kandidat anmeldete, überreichte ihm der Novizenmeister einen schlichten Zettel, auf dem das Psalmwort zu lesen war: "Dominus custodiat introitum tuum et exitum tuum!" - "Der Herr segne deinen Eintritt und deinen Tod."

Das ist der Realismus der Liebe. Das ist der Realismus des klösterlichen Lebens. Zwischen Eintritt ins Kloster und Eintritt in den Himmel liegt eine aufregende Mischung von Kampf und Gnade, Kreuz und Jubel, Liebe und Leiden, - ein spannenderes Leben gibt es gar nicht. Es zahlt sich aus!

Patent portae - magis cor!
Unsere Türen stehen offen - mehr noch unser Herz!

 
News